Institutionen

Stationäre Versorgung

Sollten Sie das Gefühl haben, von Ängsten oder Sorgen übermannt zu werden und keinen Ausweg mehr zu sehen, kann es sinnvoll sein, sich in eine stationäre Behandlung zu begeben. Auch wenn sie bereits seit längerem eine ambulante psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen, sich bisher aber kaum Verbesserung eingestellt hat, kann eine stationäre Behandlung erfolgversprechend sein. Der Vorteil der stationären Behandlung liegt insbesondere darin, dass abseits Ihres gewohnten Umfeldes alltägliche Belastungen reduziert sind und Sie sich voll und ganz auf sich und die Bewältigung Ihrer Probleme konzentrieren können. 

 

Ambulante Versorgung

Die ambulante Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen bietet eine Vielzahl verschiedener Behandlungsmöglichkeiten. Dabei reicht das Spektrum von einmaligen Beratungsgesprächen, über mehrmonatige Therapien bis zur mehrjährigen Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Der Vorteil der ambulanten Angebote besteht insbesondere darin, dass Sie neu erlernte Verhaltensmuster oder Erkenntnisse direkt im Alltag anwenden und erproben können. Umgekehrt sollten Sie eine ambulante Behandlung für sich nur in Betracht ziehen, wenn Sie Ihr Alltag nicht überfordert und Ihr persönliches Umfeld eine Genesung nicht behindert oder verzögert. Bei der Entscheidung für oder gegen eine ambulante Therapie kann Sie Ihr behandelnder Arzt oder eine geeignete Beratungsstelle unterstützen.

In nachfolgender Tabelle können Sie sich über die verschiedenen Einrichtungen und Angebote informieren. Für nähere Informationen klicken Sie jeweils das einzelne Angebot an. Die Beschreibungen geben dabei nur einen groben Überblick. Im Einzelfall können bei den jeweiligen Einrichtungen auch andere Vorgehensweisen, Voraussetzungen, Zugangswege oder Ähnliches Gültigkeit haben.

Welche Institutionen bieten Hilfe an?
STATIONÄR
AMBULANT
ANDERE
Psychosomatische Klinik 
Psychiatrische Klinik 
Tageskliniken 
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie 
 
 
 
Psychotherapeut/-in 
Psychiater/-in 
Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) 
Traumaambulanz 
Psychotherapeutische Ausbildungsambulanzen 
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie 
 
Psychosoziale Beratungsangebote 
Beratung am Arbeitsplatz 
Selbsthilfegruppen 
Opferschutz der  Polizei 
Notfallseelsorge (NFS), Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) und Kriseninterventionsteams (KIT) 
Telefonseelsorge 
Sozialpsychiatrischer Dienst 

Psychosomatische Klinik

Eine psychosomatische Klinik ist eine spezialisierte Einrichtung zur Behandlung von psychosomatischen und psychischen Störungen. Die Lehre der Psychosomatik geht davon aus, dass die Psyche einen starken Einfluss auf den Verlauf verschiedener (körperlicher) Erkrankungen haben kann oder diese sogar auslöst. Der angewandte Behandlungsansatz berücksichtigt entsprechend insbesondere den Zusammenhang zwischen körperlichen (somatischen) Krankheiten/Symptomen und der Psyche. Einige psychosomatische Kliniken haben sich auf bestimmte Störungsbilder spezialisiert, andere behandeln ein breites Spektrum an psychosomatischen und psychischen Störungen. 

Aufnahme

Die Einweisung erfolgt in der Regel über Ihren Haus- oder Facharzt. Häufig wird vor der Aufnahme die Vorlage einer Kostenübernahme durch einen Kostenträger (z. B. gesetzliche oder private Krankenversicherung) gefordert. Gegebenenfalls ist ein gesondertes Begründungsschreiben durch den Arzt oder die Ärztin vorzulegen. Der Behandlungsbeginn sollte mit der Klinik im Vorhinein abgesprochen werden. Es  kann zu Wartezeiten kommen. Einzelne Kliniken bieten telefonische oder persönliche Vorgespräche an. Im Gegensatz zur psychiatrischen (Akut-) Klinik werden in Psychosomatischen Kliniken in der Regel keine Notfälle behandelt3

Behandlung

Bei der Behandlung stehen psychotherapeutische Interventionen sowie die medizinische Behandlung des Leidens im Vordergrund. Diese können je nach Klinik durch weitere Angebote wie beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie oder soziale Beratung ergänzt werden. 

Dauer

Die durchschnittliche Behandlungsdauer in einer psychosomatischen Klinik liegt bei ca. fünf Wochen, kann aber abhängig von der Diagnose stark variieren4.

Psychiatrische Klinik

Eine psychiatrische Klinik ist ein spezialisiertes Krankenhaus zur Behandlung von psychischen Störungen. 

Aufnahme

Wenn Sie stationär aufgenommen werden wollen, erfolgt dies in der Regel über Ihren Haus- oder einen Facharzt bzw. -ärztin, es können aber auch Einweisungen durch psychologische Psychotherapeuten oder Psychotherapeutinnen erfolgen1.  Termine sollten nach Möglichkeit im Vorhinein mit der Klinik abgestimmt werden. In Notfällen und wenn Sie dringend Hilfe benötigen, kann auch eine spontane Vorstellung in der für Ihre Region zuständigen psychiatrischen Klinik (in der psychiatrischen Aufnahme bzw. Notaufnahme des Krankenhauses an das die Psychiatrie angeschlossen ist) erfolgen. Vor Ort entscheidet dann das diensthabende ärztliche Personal nach einem Erstgespräch mit Ihnen über die weiteren Behandlungsschritte.

Behandlung

Die angebotenen Therapieformen unterscheiden sich von Klinik zu Klinik. Die Behandlung basiert aber in aller Regel auf einer Kombination von medikamentöser Therapie (Pharmakotherapie) und Psychotherapie. Eine Ausnahme bilden spezielle Psychotherapiestationen, die allerdings nicht in allen Kliniken eingerichtet sind. Weitere Angebote wie beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie oder soziale Beratung ergänzen die Behandlung. 

Dauer

Die durchschnittliche Behandlungsdauer in einer psychiatrischen Klinik liegt bei ca. dreieinhalb Wochen, kann aber abhängig von der Diagnose stark variieren2.

Tageskliniken

Tageskliniken sind teilstationäre Einrichtungen und häufig an vollstationäre Kliniken angeschlossen5. Wenn Sie eine psychiatrische Behandlung wünschen, allerdings so stabil sind, dass Sie die Nächte und Wochenenden zu Hause verbringen können, bietet sich diese Behandlungsform an. So verbindet die Tagesklinik intensive psychiatrische Diagnostik und Therapie mit der Möglichkeit, im gewohnten Lebensumfeld zu verbleiben. Neben psychiatrischen gibt es zunehmend auch psychosomatische Tageskliniken. 

Aufnahme

Für eine Anmeldung in der Tagesklinik ist in der Regel eine Einweisung Ihrer hausärztlichen bzw. fachärztlichen Versorgung erforderlich. Die Aufnahme kann aber auch aus einem stationären Aufenthalt heraus erfolgen. In der Regel sollte jedoch zunächst eine Kostenzusage des Kostenträgers (z. B. gesetzliche oder private Krankenversicherung) eingeholt werden. Gegebenenfalls ist ein telefonisches oder persönliches Vorgespräch erforderlich. Je nach Kapazitäten der Einrichtung kann es zu Wartezeiten kommen. Notfälle werden nicht aufgenommen. 

Behandlung

Die Behandlung beginnt morgens und ist durch einen klar strukturierten Tagesablauf mit verschiedenen Therapieeinheiten charakterisiert. Patientinnen und Patienten nehmen gemeinsame Mahlzeiten ein und verbleiben bis zum Nachmittag vor Ort. Die Therapieinhalte und Methoden können sich von Einrichtung zu Einrichtung unterscheiden. Im Vordergrund stehen psychotherapeutische Interventionen mit Einzel- und Gruppensitzungen. Häufig wird die Therapie durch Ärztinnen und Ärzte begleitet, sodass auch eine medikamentöse Therapie möglich ist. Die Abende und Wochenenden verbringen Sie im gewohnten Umfeld, in dem die Belastbarkeit im Alltag und in der Freizeit erprobt werden soll6.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist eine Psychotherapieform die speziell für Kinder und Heranwachsende mit psychischen oder psychosomatischen Störungen entwickelt wurde. Erwachsene werden nicht behandelt. Die ambulanten und stationären Angebote der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gleichen denen aus dem Erwachsenenbereich. So gibt es Kliniken für Kinder und Jugendliche mit angeschlossenen Ambulanzen, aber auch Beratungsangebote und niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Die Therapie basiert auf den drei anerkannten Therapierichtungen Psychoanalyse, tiefenpsychologische Verfahren und Verhaltenstherapie, ist aber speziell auf die Bedürfnisse und (kognitiven) Möglichkeiten der Kinder angepasst. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.bkj-ev.de/htm/informationenjugend.php

1 Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Meyer, G., Schreyögg, J., Thürmann, P., & Wille, E. (2018). Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung. Bonn/Berlin. Abgerufen am 20.07.2018 von www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf
2 Bundes Psychotherapeuten Kammer. (2014). BPtK-Studie zur stationären Versorgung psychisch kranker Menschen. Retrieved from https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2019/01/20140626_BPtK-Studie_stationaeren_Versorgung_psychisch_kranker_Menschen.pdf
3 Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Meyer, G., Schreyögg, J., Thürmann, P., & Wille, E. (2018). Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung. Bonn/Berlin. Abgerufen am 20.07.2018 von www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf
4 Bundes Psychotherapeuten Kammer. (2014). BPtK-Studie zur stationären Versorgung psychisch kranker Menschen. Abgerufen am 15.06.2018 von https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2019/01/20140626_BPtK-Studie_stationaeren_Versorgung_psychisch_kranker_Menschen.pdf
5 Schulz, H., Barghaan, D., Harfst, T., & Koch, U. (2011). Die Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen. In H.-U. Wittchen & J. Hoyer (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 332–345). Heidelberg: Springer.
6 Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Meyer, G., Schreyögg, J., Thürmann, P., & Wille, E. (2018). Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung. Bonn/Berlin. Abgerufen am 20.07.2018 von www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf
7 Schulz, H., Barghaan, D., Harfst, T., & Koch, U. (2011). Die Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen. In H.-U. Wittchen & J. Hoyer (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 332–345). Heidelberg: Springer.
8 Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Meyer, G., Schreyögg, J., Thürmann, P., & Wille, E. (2018). Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung. Bonn/Berlin. Abgerufen am 20.07.2018 von www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf
9 www.mvzpsyche.de/psychiatrische-behandlung
10 Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Meyer, G., Schreyögg, J., Thürmann, P., & Wille, E. (2018). Bedarfsgerechte Steuerung der Gesundheitsversorgung. Bonn/Berlin. Abgerufen am 20.07.2018 von www.svr-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/Gutachten/2018/SVR-Gutachten_2018_WEBSEITE.pdf
11 Sprengler, A. (2012). Psychiatrische Institutsambulanzen: Leistungsfähig, bedarfsgerecht und innovativ. Deutsches Ärzteblatt, 109 (40).
12 Schulz, H., Barghaan, D., Harfst, T., & Koch, U. (2011). Die Versorgung von Patienten mit psychischen Störungen. In H.-U. Wittchen & J. Hoyer (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 332–345). Heidelberg: Springer.
13 Bundesweites Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste (2012). Thesen zu Kernaufgaben Sozialpsychiatrischer Dienste. Verfügbar unter: https://www.sozialpsychiatrische-dienste.de/kernaufgaben-leistungsstandards-personalbedarf/